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Albertina: Jakob und Rudolf von Alt Unterwegs für den kaiserlichen Guckkasten | Kultur von A-Z | Kaiser Ferdinand der Gütige hat schon als Erzherzog damit begonnen, Aquarelle für eine Guckkastenserie zu sammeln. Ob er sie tatsächlich mit dem Guckkasten, einem optischen Apparat mit Hohlspiegel und spezieller Beleuchtung, betrachtet hat, wird eher nicht angenommen. Dass sich die erlauchten Augen an den meisterlichen Pinselstrichen überaus erfreut haben dürften, das erscheint als gesichert. Der Monarch, dem die Nachwelt körperliche Schwäche, aber geistige Offenheit, sogar vielseitige Talente attestiert, hatte diese Serie bei den besten Aquarellisten seiner Zeit in Auftrag gegeben: Eduard Gurk, Leander Russ, Jakob Alt und dessen Sohn Rudolf von Alt. Von den ursprünglich 300 Aquarellen sind heute noch 281 nachweisbar. Die Albertina verwahrt davon 227 und präsentiert derzeit 120 Meisterwerke in der Ausstellung Jakob und Rudolf von Alt. Im Auftrag des Kaisers. Ferdinand wollte die entferntesten Winkel seines Reiches aus der Nähe betrachten können. Und es wurde ihm ermöglicht, ebenso wie dem heutigen Besucher. Er steigt mit der Wiener Vedute in seine nächste Umgebung ein, sucht in den bald 200 Jahre alten Stadtansichten nach Vertrautem und findet es, trotz der gewaltigen Veränderungen, die das 19. Jahrhundert über die Stadt gebracht hat. Vor den Toren Wiens beobachtet man an einem sonnigen Fronleichnamsmorgen die Prozession in Perchtoldsdorf, vergnügt sich danach im feinen Baden und im romantischen Helenental, bevor man durch die raue Bergwelt nach Mariazell pilgert. Irgendwann sind auch die Alpen überquert und es öffnet sich dem Blick Arkadien. Der Weg nach Rom und weiter nach Neapel wird von der Sonne begleitet und mit überaus feinem Pinsel detailliert geschildert. Größtes Interesse dürfte der Kaiser an den Aquarellen aus seinen südöstlichen Kronländern gehabt haben. Sie lagen damals wie heute von Wien aus gesehen etwas „aus der Hand“. Ragusa (Dubrovnik), Cattaro (Kotor) oder sogar das ungarische Wesprim waren – gemessen an den damaligen Reisemöglichkeiten – exotische Orte, die von Vater und Sohn Alt teils auch gemeinsam aufgesucht und festgehalten wurden. Jedes einzelne Bild zieht magisch die Augen auf sich, mit dem vielen Leben, das sich als Staffage zwischen den großen, in zauberhaftes Licht getauchten Motiven abspielt. Jakob Alt (1789-1872) bleibt sein Lebtag der Vedute treu, ebenso sein Sohn Rudolf von Alt (1812-1905), der nach der künstlerischen Trennung von seinem Vater 1844 sich offenbar so gründlich vom kaiserlichen Auftrag löst, dass er im Revolutionsjahr 1848 sogar aus Wien fliehen muss. Später gelangt er wieder zu Ehren und Würden, die 1897 mit einer Ehrenpräsidentschaft der Wiener Secession gekrönt werden.
Bis 24. Mai 2010, www.albertina.at Bilder © Albertina Rudolf v. Alt: Der Dachstein im Salzkammergut vom Vorderen Gosausee, 1840 Jakob Alt: Blick auf Rom, 1837
zurück | | Prinz Eugen im Wiener Belvedere: Zu Besuch im eigenen Haus | Kultur von A-Z | 
Bis 6. Juni 2010 wird im Belvedere eine Prinz Eugen-Ausstellung zu sehen sein, also nicht einmal ein halbes Jahr. Von einer Heimkehr des Feldherrn, Philosophen und Kunstfreundes in das von ihm erbaute Schloss kann damit keine Rede sein; vielmehr von einer Stippvisite in seiner Wiener Sommerresidenz, aus der er eigentlich nie ausgezogen ist. Jedes Kind kennt nach drei Tönen das Lied „Prinz Eugenius, der edle Ritter“, das seinen Sieg bei Belgrad verherrlicht. Es wurde zum Volkslied und zumindest der Feldherr damit auch bei denen unsterblich, die garantiert nicht in eine Ausstellung gehen.
Der Hauptgrund für die anhaltende Popularität des Prinzen Eugen sind zweifellos seine militärischen Erfolge gegen das türkische Heer. Sein Einsatz im Spanischen Erbfolgekrieg war jedoch nahezu gleich wesentlich für die Entwicklung des Habsburgerreiches. So räumt die Ausstellung auch diesen Ereignissen entsprechend Raum ein und schafft es, über Archivalien hinaus den kleinen Feldherren lebendig zu präsentieren. Mit Gemälden, Statuen, Waffen, Standarten, sogar den Musikinstrumenten, die neben den Kanonen auf dem Schlachtfeld eingesetzt wurden, und dem beschossenen Kürass, der zu besserer Anschaulichkeit einer Reiterpuppe angelegt wurde, wird der Besucher sehr unmittelbar in diese kriegerische Zeit zurück geführt.
Seine Bedeutung als Bauherr hat das Barock in Österreich geprägt, unter anderem mit dem kaiserlichen Lustschloss Schloss Hof. Kein Geringerer als Bernardo Bellotto, genannt Canaletto, hat es 1760 gemalt. Einen der bedeutendsten Architekten seiner Zeit hat Prinz Eugen persönlich engagiert. Anfang des 18. Jahrhunderts ließ er von Johann Lucas von Hildebrandt das Wiener Belvedere mit zwei Schlössern und einer barocken Gartenanlage als Sommerresidenz errichten. Sie diente ihm von Anfang an als Galerie. Sein Leben lang widmete sich Prinz Eugen dem Aufbau einer umfangreichen Sammlung von Gemälden und Kupferstichen, Inkunabeln, illuminierten Handschriften und Büchern, die er in seinen Wiener Palais präsentierte.
Mit einer feinen Auswahl aus diesen Sammlungen nimmt man an der Kunstbegeisterung des Kleinen Abbé teil, dem in seiner Jugend wohl niemand den Aufstieg zu einer zentralen Persönlichkeit Europas zugetraut hätte. Prinz Eugen wird am 18. Oktober 1663 geboren. Er wächst am Hof Ludwigs XIV. in Paris auf, kommt jedoch zu seiner Großmutter, die ihn 1683 des Hauses verweist, weil er eine kirchliche Laufbahn ablehnt. Eugen flieht an den Wiener Hof und wird von Leopold I. in die kaiserliche Armee aufgenommen. Im 73. Lebensjahr verstirbt Prinz Eugen von Savoyen am 21. April 1736. Sein sammlerisches und materielles Erbe wird von seiner Nichte in kürzester Zeit verkauft. Prinz Eugen selber wird von der Nachwelt aber als größter Kriegsheld Europas (Friedrich II.) gefeiert. Seiner Apotheose, der triumphalen Aufnahme des Helden in den Olymp, ist der letzte Abschnitt dieser großen Ausstellung gewidmet.
Für die Besucher gibt es dieses Mal ein besonderes Service. Neben dem umfangreichen Katalog wurde ein praktisches Büchlein aufgelegt, das zu den gezeigten Objekten kurzgefasste, aber ausreichend informative Kommentare enthält und um 1,- € erhältlich ist.
Prinz Eugen – Feldherr, Philosoph und Kunstfreund, bis 6. Juni 2010, www.belvedere.at
Bild: Jacob van Schuppen: Reiterbildnis Prinz Eugen von Savoyen, vor 1721 © Galeria Sabauda, Turin
zurück | | Leopold Museum: Linde Waber retrospektiv und ihre Weggefährten Linde tröstet Schubert
| Kultur von A-Z | 
Ein großzügiges Geburtstagsgeschenk zu ihrem 70er erhält die niederösterreichische Künstlerin Linde Waber. Das Leopold Museum widmet ihr eine große Einzelausstellung, in der 150 Objekte, von den ersten Anfängen bis hin zu neuesten Bildern präsentiert werden. Die Ausstellung gibt einen Überblick über das vielfältige Schaffen der anerkannten Künstlerin und Grafikerin. Es werden Holzschnitte aus den 60er Jahren, großformatige Tuschezeichnungen, Reisezeichnungen aus Afrika, Brasilien, der Karibik, Japan, China, Tibet und Paris bis zu den Leinwandbildern der letzten Jahre präsentiert.
Ein Tagebuch in besonderer Form sind die „Tageszeichnungen“, in denen sich auch ihre Gäste verewigen dürfen. Linde Waber trägt die kleinformatigen, leeren Blätter immer mit sich herum und hält ihre Eindrücke fest, um sie mit nach Hause nehmen zu können. Seit nunmehr einundzwanzig Jahren sind an die 8000 künstlerischen Tagesbetrachtungen entstanden. Parallel zur Ausstellung erscheint ein Buch, zu dem Linde Waber Freunde und Weggefährten einlud, Originalbeiträge zu schreiben; der poetische Titel „Linde tröstet Schubert“. Dieses Buch soll eine Verbindung zwischen Musik, Literatur und Malerei schaffen. In den Texten finden sich Autoren wie H.C. Artmann, Lotte Ingrisch, Bodo Hell, Friederike Mayröcker, Markus Kupferblum, Renald Deppe, Elfriede Gerstl und Franzobel. Das Buch zeigt unter anderem auch viele Abbildungen der Tageszeichnungen, die im Original im Format 35 mal 35 cm. auf Japanpapier angefertigt wurden und die Situationen und Stimmungen der Momente festgehalten haben.
Die Ausstellung läuft bis 24. Mai 2010. Linde Waber hat für diese Zeit Freunde und Weggefährten eingeladen daran teilzunehmen. Es werde einige Autoren, Schauspieler, Musiker und Filmemacher wöchentlich am Donnerstag (außer 25. Februar und 29. April) ein reichhaltiges und vielfältiges Begleitprogramm gestalten. Als abschließender Höhepunkt wird zum 70. Geburtstag Linde Wabers am 24. Mai ein großes Künstlerfest veranstaltet, zu dem alle Besucher des Museums herzlich eingeladen sind.
www.leopoldmuseum.org
Bilder: Linde Waber: Waldviertel, 1984, Tusche auf Japanpapier © VBK, Wien 2010 Linde Waber: Tageszeichnung, 19.6.2002, Gaußplatz, 2002 © VBK, Wien 2010
zurück | | Bank Austria Kunstforum: Essen in der Kunst Ein wahrer Augenschmaus
| Kultur von A-Z | Kunst kann man auf vielerlei Weise genießen. Der Art-Veganer erfreut sich still an den komplizierten Beschreibungen, in die sich literarisch durchaus begabte Kuratorinnen vor dem Nichts der ihnen anvertrauten Objekte flüchten. Der künstlerische Vegetarier mag wenigstens Butter auf solch trockenem Brot. Er wandert mit bedeutungsschwangerem Blick durch Ausstellungen und verbietet sich allein durch die gespannt interessierte Haltung jeden Zweifel, dass er eventuell nicht verstünde, was der Künstler anstelle eines Kunstwerkes in das auf die Leinwand gepinselte Konzentrat an Intellektualität verstrickt hat. Der Gourmet dagegen verzichtet auf museale Massenkost. Seine Haute Cuisine sind elitäre Galerien, in denen er an vielversprechenden Namen seinen Hunger nach teurem Kunstbesitz stillen kann. Bleibt schließlich der ganz normale Rezipient mit schmaler Brieftasche, zumeist ein Connaisseur, dem es jedoch am nötigen Kleingeld mangelt. Da er sich artielle Vierhaubenmenüs nicht in seinen vier Wänden servieren lassen kann, befriedigt er seinen Appetit auf Kunst mittels öffentlichen Ausstellungsangebots. Das Bank Austria Kunstforum bietet diesbezüglich zurzeit ein üppiges und dennoch feines Dinner: Augenschmaus – Vom Essen im Stillleben. Bissen für Bissen kostet man sich durch die Zeiten. Der Beginn, ein Schlachterladen von Joachim Beuckelaer (1568), ist allerdings nichts für zarte Magennerven. Zwischen Rinderhälften und roh abgehackten Keulen blickt ein gehäuteter Rindskopf melancholisch auf den Betrachter, der Fleischer selbst beäugt erbost den leer gewordenen Bierkrug, während sich im Hintergrund sein Kollege mit festem Zugriff an der Köchin zu schaffen macht. Aber man konnte mit solchen Bildern Überfluss demonstrieren, ein Wohlleben, das damals wie heute keineswegs selbstverständlich war. Verändert hat sich in der Zeit lediglich die Vorstellung, was man unter Luxus versteht. Für Willem van Aelst (Frühstücksstillleben, 1671) schienen edle Tischwäsche, silbernes Geschirr und kunstvolles Glas der Inbegriff des Feinen gewesen zu sein. Vom Fisch, dem eigentlichen Hauptmotiv, ist allerdings nicht mehr viel übrig, der Rest vom Brot wurde vom (nicht dargestellten) Esser achtlos zwischen die verzierten Stiele der (exzellent gemalten) Glaspokale geschoben, und man wird den Verdacht nicht los, dass trotz aller Eleganz die ausnehmend naturalistische Fliege exakt in der Bildmitte gemeinsam mit Artgenossinnen demnächst die Herrin dieses verlassenen Dejeuner sein wird. Realismus kann auch romantisch sein, wie Ferdinand Georg Waldmüller mit einem Traubenstillleben aus 1840 beweist. Weintrauben, einfach reife, süße Trauben, quellen aus einem flachen Korb auf den Fassboden, auf den sie der Winzer vorläufig hingestellt hat. Er hat die schönsten ausgesucht, diejenigen, die zum Pressen zu schade sind, und spart sie auf für das kleine Fest nach der Lese. Essen hat auch eine unheimliche Seite: fressen und gefressen werden. So kommentiert das Video „A Little Death“ von Sam Taylor-Wood jede Angeberei in den feudalen Jagdstillleben in wahrhaft vernichtender Weise. Ein verwesender Hase wird im Zeitraffer von Insekten zerfressen, während ein Pfirsich daneben von der Vergänglichkeit dieser Sequenz völlig unberührt bleibt. Dass Essen keine Selbstverständlichkeit ist, hat Pablo Picasso eindrucksvoll deutlich gemacht. Auf einem Stillleben knabbert ein Totenkopf an Lauchstangen, neben einer Kanne, vor einem blinden Fenster, gemalt 1945. Mehr brauchen klare Botschaften nicht. Ganz im Sinne unseres oben näher vorgestellten Rezipienten wurde auch der durchaus leistbare Katalog gestaltet. Nach dem lehrreichen Teil zu Beginn wird zu den Bildern aufgekocht. Neben dem Steingutkrug von Paul Cézanne steht ein Rezept für Äpfel mit Tokay d´Alsace unter leichtem Blätterteig und den Fischen Pierre-August Renoir (1911) wird die Anleitung zur Zubereitung von Gedämpftem Küstensteinbutt, Würfel und Püree von der Gurke und grüner Anisbutter beigesellt. Erschienen ist der Kunst-Koch-Katalog im Prestel Verlag, München, und ist im Shop des Bank Austria Kunstforums und im gut sortierten Buchhandel um 29,- € erhältlich.
Augenschmaus – Vom Essen im Stillleben, bis 30. Mai 2010, www.bankaustria-kunstforum.at
Bilder: Giuseppe Arcimboldo: Der Gemüsegärtner © Museo Civico „Ala Ponzone“, Cremona Pablo Picasso: Stillleben mit Totenkopf, Porree und Kanne vor einem Fenster © Succession Picasso/VBK, Wien, 2010
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